Über Westerwälder Wipfel – mit finnischen Gastschülern auf Klettertour

Wenn sich deutsche und finnische Schüler von Baum zu Baum helfen – dann ist wieder Begegnungstreffen mit der finnischen Partnerschule Tredu aus Tampere. Im Rahmen des Erasmus-Plus-Projekts mussten im Herbst angehende Erzieher der Berufsbildenden Schule (BBS) Boppard zusammen mit finnischen Tourismus-Schülern das Ziel eines Kletterparcours erreichen. 

In Kleingruppen sollten die zehn finnischen und 13 deutschen Schüler in dem Familienferiendorf Hübingen im Westerwald vielfältige Aufgaben meistern; so beispielsweise eine zehn Meter lange Kugelbahn im Wald bauen. Beim Rollen der schweren Boule-Kugel mussten zudem Geräusche entstehen, die Kugel sollte zeitweise in der Luft sein und durch einen Tunnel rollen. „Wir mussten lange überlegen, wie wir das zusammen hinbekommen. Alles auf Englisch. Ich habe noch nie so viel Englisch gesprochen, wie in dieser Woche.“, sagt Christian Fischer, angehender Erzieher der BBS.

Viel Teamarbeit und Kreativität war auch beim Bau einer Waldhütte gefragt. Hier hatten die Schüler die Vorgabe, dass ein Mensch in der Hütte aufrecht stehen können muss und beim Bau nur Naturmaterialien benutzt werden dürfen – allerdings keine lebenden Zweige. Als Werkzeuge standen lediglich ein Beil und ein Seil zur Verfügung. 

Neben Teamwork ist vor allem die Erweiterung der Sprachkompetenz eines der Ziele, die sich das Lehrerteam Antje Bartsch, Volker Buchberger und Christiane Lörsch bei der Beantragung des Projekts gesteckt hatten. Das Erasmus-Plus-Programm wird von der Europäischen Union gefördert und soll jungen Europäern Lust machen, die Zukunft der EU mit zu gestalten und möglicherweise einmal im Ausland zu arbeiten.

Außerdem sollen im Rahmen des Projekts die Kenntnisse im Umgang mit modernen Medien verbessert werden. Ein digitales Handbuch mit Übungen zur Erlebnispädagogik und Natur und Umwelt soll beispielsweise entstehen; darin enthalten: kleine Videosequenzen, Checklisten und Erfahrungen zu den verschiedenen Übungen – alles auf Finnisch, Englisch und Deutsch. Diesen digitalen Werkzeugkasten können dann  Erzieher, Jugendgruppenleiter, Lehrer und Freizeitpädagogen einsetzen.  

Im Mai dieses Jahres fand bereits eine Begegnung mit allen Austauschschülern in Finnland statt. Dort galt es unter der Thematik „Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit“ Pflanzen zu bestimmen, einheimische Tierspuren zu erkennen und die Arbeitsweise eines ökologisch wirtschaftenden Bauernhofes zu erkunden. Jede dieser Übungen wurde gefilmt und dokumentiert, um die eigenen Erfahrungen zu erfassen und sie später in das Handbuch zu integrieren. Dort bewohnte jede Kleingruppe ein Häuschen am See mit eigenem Bootssteg und Kanu. „Das war Natur pur, wie im Paradies“, berichtet Daniela Klein, Schülerin der BBS.

Derzeit fügen die Projekteilnehmer das Material in das Digitale Handbuch ein. „Das wird noch einen Menge Arbeit“, sagt Anna Splettstößer, angehende Erzieherin, „wir schneiden gerade die Videosequenzen. Da muss man sich erst einmal einarbeiten“.

Auch hier ist die enge Zusammenarbeit mit den finnischen Partnern gefragt. Die Kommunikation läuft daher über die Plattform E-Twinning, die es jeder Schule in Europa ermöglicht, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Auf die interne Projektseite können die entstehenden Produkte eingestellt werden und die Partner beider Länder so daran weiterarbeiten.

Im Frühjahr 2018 soll das fertige Handbuch dann bei einem internationalen Treffen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.